Wie Pilze wachsen
So entsteht ein Pilz
Pilze sind keine Pflanzen — sie bilden ein eigenes Reich. Statt Photosynthese zersetzen sie organisches Material und machen daraus Nahrung. So entsteht bei uns ein Pilz, von der Spore bis zum Teller:
Der Weg vom Myzel zum Teller
In sechs Schritten erklärt
Schritt 1
Der perfekte Start
Alles beginnt mit der richtigen Sorte. Auf der Petrischale ziehen wir reines, aktives Mutter-Myzel — die Grundlage für gesunde, hochwertige Pilze.
Die Wissenschaft dahinter
Jede Kultur beginnt auf einer Petrischale mit Nährboden (meist Agar). Darauf ziehen wir reines Myzel — das feine Fadengeflecht (Hyphen), aus dem ein Pilz besteht; was wir essen, ist nur der Fruchtkörper. Auf der flachen Schale sehen wir sofort, ob sich Schimmel einschleicht — nur sauberes Myzel kommt weiter. Aus diesem Mutter-Myzel leiten wir alle weiteren Kulturen ab.
Schritt 2
Nahrung für die Pilze
Wir mischen das Substrat aus Roggen, Holzpellets und Holzspänen, befeuchten und sterilisieren es. An der Verwertung regionaler Reststoffe forschen wir gemeinsam mit Partnern.
Die Wissenschaft dahinter
Unsere Pilze sind Holzbewohner — sie brauchen ein nährstoffreiches Substrat aus Roggen, Holzpellets und Holzspänen. Weil es so gehaltvoll ist, sterilisieren wir es unter Druck und Hitze (rund 121 °C), damit das Myzel ohne Konkurrenz durch Schimmel oder Bakterien startet. Wie gut das Myzel es verwertet, hängt unter anderem vom Verhältnis aus Kohlenstoff und Stickstoff (C/N) ab.
Schritt 3
Hier beginnt das Wachstum
Im sterilen Laborraum beimpfen wir die Substrat-Beutel mit Myzel — unter strengen Bedingungen, damit nichts verunreinigt.
Die Wissenschaft dahinter
Jetzt bringen wir Myzel und Substrat zusammen — die Inokulation. Wir geben Korn-Spawn (mit Myzel durchwachsene Körner) in die sterilisierten Substrat-Beutel. In diesem Moment zählt jede Spore in der Luft, deshalb arbeiten wir unter sauberen Bedingungen — oft an einer Reinluft-Werkbank mit HEPA-Filter und mit desinfizierten Werkzeugen. Je sauberer das Beimpfen, desto geringer das Risiko von Konkurrenzkeimen.
Schritt 4
Die verborgene Wachstumsphase
Das Myzel durchwächst das Substrat und zersetzt es — dunkel und warm, wie unter dem Waldboden. Diese Phase dauert je nach Sorte 10–20 Tage.
Die Wissenschaft dahinter
Jetzt arbeitet das Myzel im Verborgenen. Die Hyphen durchziehen das Substrat und geben Enzyme ab — Laccasen und Peroxidasen schließen das zähe Lignin auf, Cellulasen die Zellulose. So macht der Pilz aus Holz und Korn lösliche Nährstoffe. Das geschieht dunkel, warm (rund 20–24 °C) und bei erhöhtem CO₂; die Dunkelheit verhindert frühes Fruchten. Diese Durchwachsung dauert je nach Sorte etwa 10–20 Tage.
Schritt 5
Wenn aus Myzel Pilze werden
Der durchwachsene Block kommt in den Fruchtungsraum. Mit kontrollierter Umgebung (Licht, Feuchte, Temperatur) bilden sich erste Pilzansätze — und wachsen in 7–14 Tagen zur Ernte heran.
Die Wissenschaft dahinter
Sobald der Block durchwachsen ist, lösen wir die Fruchtung aus — durch einen gezielten Reiz-Wechsel: Wir senken die Temperatur leicht, bringen viel Frischluft (das CO₂ fällt von mehreren Tausend ppm auf nahezu Außenluft-Niveau), erhöhen die Luftfeuchte auf 90–100 % und geben etwas Licht dazu. Daraufhin bildet das Myzel kleine weiße Knötchen — die Primordien (Pinning) —, die in wenigen Tagen zu Pilzen heranwachsen. Beim Kräuterseitling steuert das CO₂-Niveau sogar die Stieldicke.
Schritt 6
Das große Finale
Geerntet wird von Hand, für beste Qualität. Das Restsubstrat mit aktivem Myzel geht zurück in den Kompost — der Kreislauf schließt sich.
Die Wissenschaft dahinter
Wir ernten von Hand und zum richtigen Zeitpunkt — kurz bevor die Hüte ganz aufflachen und Sporen abgeben; so bleiben Geschmack, Textur und Haltbarkeit am besten. Ein Block trägt mehrfach: Nach jeder Welle (Flush) regeneriert sich das Myzel und schiebt erneut Pilze nach, oft drei bis vier Mal. Ist das Substrat erschöpft, geht das gebrauchte Restsubstrat zurück in Kompost und Landwirtschaft.
Pilz-Biologie
Häufig gestellte Fragen
Sind Pilze eigentlich Pflanzen?
Nein — Pilze bilden ein eigenes Reich, das sogenannte Fungi-Reich. Im Gegensatz zu Pflanzen betreiben sie keine Photosynthese; stattdessen zersetzen sie organisches Material und gewinnen daraus Energie. Genetisch stehen sie den Tieren sogar näher als den Pflanzen.
Was ist Myzel und warum ist es so wichtig?
Myzel ist das feine Fadengeflecht (Hyphen) aus dem ein Pilz hauptsächlich besteht — was wir essen, ist nur der Fruchtkörper. Das Myzel durchwächst das Substrat, baut es enzymatisch ab und nimmt die Nährstoffe auf. Ohne gesundes Myzel kein gesunder Pilz.
Woraus besteht euer Substrat?
Unser Substrat besteht aus Roggen, Holzpellets und Holzspänen — befeuchtet und sterilisiert, damit das Myzel sauber durchwachsen kann. Angefangen haben wir mit Kaffeesatz aus Kölner Cafés; an der Verwertung regionaler Reststoffe forschen wir heute gemeinsam mit Partnern. Unser gebrauchtes Restsubstrat geht zurück in Kompost und Landwirtschaft, statt in die Tonne.
Wie fängt alles an — von der Spore zum Myzel?
Aus einer Spore (oder einem Stück Pilzgewebe) keimt auf nährstoffreichem Agar in der Petrischale das erste Myzel. Aus dieser Reinkultur ziehen wir Mutter-Myzel, von dem sich alle weiteren Kulturen ableiten — so ist jede Charge sauber rückverfolgbar, von der Spore bis zum Pilz auf dem Teller.
Kann ich Pilze auch zuhause züchten?
Ja. Den aufwendigen Teil — sterilisieren, beimpfen, durchwachsen — übernehmen wir; bei einem fertig durchwachsenen Block musst du im Grunde nur noch für Frischluft und Feuchtigkeit sorgen, dann schieben die Pilze von selbst. Genau dafür gibt es unsere PilzWald-Growkits.